Archiv für die Kategorie ‘Gut gewundert’

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Von Poppenbüttel bis Verbindungsstraße

Juli 16, 2008

Wer sich Hamburgs Straßen- und Ortsnamen ausgedacht hat, ist ein kreativer Kopf gewesen. Ich habe heute eine kleine Radtour im Hamburger Norden gemacht, bin dabei an stillen Flüsschen vorbeigekommen, wurde von großen Eisenzäunen mit Stacheldrahtbesatz vor Flugzeugen abgeschirmt, habe mich in eintönig-schönem Gassengeflecht verheddert, um dann endlich auf dem endlosen Elsterradweg Richtung Poppenbüttel unterwegs zu sein. Den hatte ich mir auf der Karte ausgesucht, der war das Ziel. Wie sich aber erst im Anschluss an die 3,5 stündige Fahrt herausstellte, war nicht der Weg das Ziel, sondern die Namen des Wegs. Eine Fülle zungerbrecherischer Büttel, Kampe und Twieten flutete meine Sicht. Hier eine kleine Auswahl:

  • Eekbalkenstieg
  • Reembroden
  • Heublink
  • Tröndelwisch
  • Jensenknick
  • Struckholttwiete (mein Liebling)
  • Ilkstraat
  • Kiwittredder
  • Dweerblöcken

Jaja, das hat sich natürlich keiner ausgedacht, weiß ich doch. Das stammt wahrscheinlich alles vom Platten und hat tiefe Bedeutungen. Wo ist Professor Udolph vom Leipziger Institut für Onomastik?! Der wüsste jetzt genau, was Redder, Straate und Wische sind. Ich hingegen, als sächsische Leihgabe ohne ononmastischen Bildungshintergrund, kann mich da nur am Kopf kratzen und dumm gucken.

Was mich ja vollends beeindruckt, ist, wie man in Hamburg diesen wertvollen Wortauswüchsen dann wiederum Bezeichnungen gegenüberstellt, die einfach nur auf komplette kreative Flaute und Ratlosigkeit schließen lassen

  • Verbindungsstraße
  • Bundesstraße
  • Am Anschluss
  • Diagonalstraße

Bestimmt gibt es irgendwo ganz versteckt einen Zipfel, der einfach nur Straße heißt.

Aber wollen wir uns noch einmal den Hamburger Schätzen widmen. Zugegebenermaßen sind die zahlreicher. Mit den Augen im Stadtplan kann ich hier noch Folgendes bieten:

  • Am Brünschendiek
  • Am Botterbarg
  • Auf dem Sülzbrack
  • Baben Brandheid
  • Bi de Dörpsmeed
  • Duvenwischen
  • Foßsölen
  • Hinschenrehm
  • Hudtwalkertwiete
  • Ilenkruut
  • Karkenstegel
  • Lämmersieht
  • Leemrackeln
  • Lüttmattensteed
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Pimpernellen

Juni 28, 2008

Mein Zitat der Woche:

„Ich kriege hier grad ganz persönlich die Pimpernellen.“

Marlene P. aus H. an der E.

Im Moment ist die Stimmung bei uns im Büro etwas angespannt: Wir sind ein Software-Unternehmen, arbeiten aber allesamt auf einer DSL-Leitung für 30 EUR. Das Internet steht daher nicht selten auf wackligen Beinen und verursacht durch schwankende An- und Abwesenheit mitunter kleine Gereiztheiten. Daneben dürfte jeder nachempfinden können, wie es ist, wenn man mit vielversprechenden Programmen arbeitet, die aber im Grunde nicht mal den Status „Beta“ verdient haben.

Was hat das alles mit Pimpernellen zu tun?

Ich habe keine Ahnung. Das Wiesenkraut tritt offensichtlich in Erscheinung, wenn das Gemüt zu kochen beginnt. Wenn es als Mittel gegen de Pest bekannt geworden ist, macht es vielleicht Hoffnung, aus einer schwierigen Situation herauszukommen. Dann fragt man sich, wo man jetzt Pimpernellen herkriegt. Irgendwann hat das seinen Fragecharakter verloren und ist zur Aussage geworden.

Vielleicht liegt es auch an der Form der Pflanze. Wenn man vor Wut schäumt oder zittert, gerät man etwas außer Form. Sieht es dann so aus, als würden einem Pimpernellen wachsen?

Berauschend finde ich vor allem die Vielfalt, in der die Pimpernelle verwörtlicht werden kann:

Blutstillerin, Blutströpfchen, Braunelle, Drachenblut, Falsche Bibernelle, Herrgottsworte, Körbelskraut, Költeltskraut, Rote Bibernelle, Sperberkraut, Wiesenbibernelle, Wurmkraut, Becherblume, Kleine Bibernelle, Welsche Bibernelle, Gartenbibernelle, Kleines Blutkraut, Megenkraut, Nagelkraut, Pimpinelle, Pimpernelle

Die arme. Wenn ich so viele Spitznamen hätte, würde ich die Pimpernellen kriegen.