Endlich ist wieder das Unwort des Jahres gewählt worden. Die „Herdprämie“ hat es auf Rang 1 geschafft; offensichtlich ist sie 2007 ein wenig angeeckt. Wahrscheinlich gehöre ich noch nicht zur Zielgruppe des Wortes, denn mein Ohr hat es leider ausgelassen.
Gehen wir die Sache doch mal einfach an: Es gibt Wörter im täglichen Leben, die so normal wie nur irgendwas sind, deren Normalität aber irgendwie zu kippen scheint. Lassen wir uns doch mal „Benzin“, „Strom“ oder „Heizung“ auf der Zunge zergehen. Spüren Sie es? Sie fühlen sich plötzlich nicht mehr so wohl wie eben noch, nicht wahr? Ihre Stimmung ändert sich gerade. Bei mir jedenfalls lösen diese Wörter Gefühle aus, die ich kaum bezwingen kann. Einzige Chance: Ich tanke nicht mehr, ich rauche im Dunkeln, ich heize täglich nicht länger als 7 Minuten.
Am Tag der Verkündung des Ergebnisses der Wahl des Unwortes 2007 hörte ich früh im Radio eine Dame, die für das Wörtchen „nur“ stimmte. „Nur“ hat ebenfalls eine Kraft, die nicht unterschätzt werden sollte. Sobald etwas „nur“ so oder so ist, sind wir entweder enttäuscht oder wir freuen uns. Auch hier sind also Gefühle im Spiel. Und auf diese wird auch dann noch gesetzt, wenn sich der Preis einer Hose oder eines Stück Käses innerhalb von 2 Jahren verdoppelt hat. Wenn Du einfach sagst, der Käse sei im Angebot und koste daher NUR 12 €, freuen sich alle und holen schon das Geld aus der Tasche. So will’s das Marketing, so schlängelt es sich in unsere Gehirne hinein und vollbringt sein manipulatives Werk.
Fazit: Unwörter müssen nicht schief oder maniriert sein. Gerade die, die es nicht sind, die aber unmerklich so viel Macht ausüben, sollten auch einmal das Rampenlicht der Kulturkritik betreten dürfen.

