Archiv für Januar 2008

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Unwort 2007

Januar 16, 2008

Endlich ist wieder das Unwort des Jahres gewählt worden. Die „Herdprämie“ hat es auf Rang 1 geschafft; offensichtlich ist sie 2007 ein wenig angeeckt. Wahrscheinlich gehöre ich noch nicht zur Zielgruppe des Wortes, denn mein Ohr hat es leider ausgelassen.

Gehen wir die Sache doch mal einfach an: Es gibt Wörter im täglichen Leben, die so normal wie nur irgendwas sind, deren Normalität aber irgendwie zu kippen scheint. Lassen wir uns doch mal „Benzin“, „Strom“ oder „Heizung“ auf der Zunge zergehen. Spüren Sie es? Sie fühlen sich plötzlich nicht mehr so wohl wie eben noch, nicht wahr? Ihre Stimmung ändert sich gerade. Bei mir jedenfalls lösen diese Wörter Gefühle aus, die ich kaum bezwingen kann. Einzige Chance: Ich tanke nicht mehr, ich rauche im Dunkeln, ich heize täglich nicht länger als 7 Minuten.

Am Tag der Verkündung des Ergebnisses der Wahl des Unwortes 2007 hörte ich früh im Radio eine Dame, die für das Wörtchen „nur“ stimmte. „Nur“ hat ebenfalls eine Kraft, die nicht unterschätzt werden sollte. Sobald etwas „nur“ so oder so ist, sind wir entweder enttäuscht oder wir freuen uns. Auch hier sind also Gefühle im Spiel. Und auf diese wird auch dann noch gesetzt, wenn sich der Preis einer Hose oder eines Stück Käses innerhalb von 2 Jahren verdoppelt hat. Wenn Du einfach sagst, der Käse sei im Angebot und koste daher NUR 12 €, freuen sich alle und holen schon das Geld aus der Tasche. So will’s das Marketing, so schlängelt es sich in unsere Gehirne hinein und vollbringt sein manipulatives Werk.

Fazit: Unwörter müssen nicht schief oder maniriert sein. Gerade die, die es nicht sind, die aber unmerklich so viel Macht ausüben, sollten auch einmal das Rampenlicht der Kulturkritik betreten dürfen.

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Rum[dingsen]…

Januar 12, 2008

…rein[dingsen], an[dingsen], rüber[dingsen], runter[dingsen] und überhaupt. Bin ich froh, dass es solche Platzhalter gibt, wenn der Tag auch um 2 noch nicht richtig angefangen haben will und die grauen Zellen auf Standby stehen.

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Plural aus dem Hinterhalt

Januar 10, 2008

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Wer gleich von mehreren Dingen sprechen will, muss oft den Plural verwenden. Nichts leichter als das, könnte man da denken. Wie dünn das Eis hier wirklich ist, zeigte mir erst neulich wieder ein Schlagabtausch im Büro: Was, zum Geier, ist eigentlich der Plural von „Fokus“? (Manchmal braucht man den, in echt!)

Google macht’s natürlich möglich, einmal geklickt, und schon hat man wunderbare Forenbeiträge zum Thema. Aber nicht nur die Forenmitglieder, sondern auch meine Kollegen hatten gleich 1001 Idee, was des Rätsels Lösung sein könnte. Im Angebot: Foki (einer der Klassiker), Fokusse (schon wärmer), Föken (naja, wieder kälter), vielleicht aber doch Fokus (mit langem u) (schwank… zauder…). Im Forum fand ich nun noch Foküsse, Fokusen und Fokette.

Intuitiv hätten sich die Kollegen wohl für die Fokusse entschieden. Aber sie erinnerten sich an die Aufregung, die herrschte, als auf unserer Webseite Status (mit langem u) als Plural von Status (mit kurzem u) von mir verwendet worden war und da nun einige einen Fehler gefunden zu haben glaubten. Um für Ruhe zu sorgen, wandelte ich die leidigen Statuuuus in Statusbeschreibungen oder sowas um.

Der Duden verrät uns nun, dass es Fokus mit langem u wohl nicht gibt und dass man getrost Fokusse sagen darf. Der Bonus ist dann ganz verrückt; sollte man ihn in der Mehrzahl brauchen, kann man einfach alles machen, worauf man Lust hat, ihn Boni, Bonusses, Bonusse, Bohnen, Bühnen, Bienenstich, Blumenstrauß oder Binsenweisheit nennen.

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Es ist mir ein Bedürfnis

Januar 8, 2008

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Sicher, sicher, …nicht gerade unmodisch, über den Zustand der deutschen Sprache den kritischen Zeigefinger zu erheben. Darf man aber machen, wenn man Deutscher ist, sich nicht unbedingt immer nur am Beifahrer abreagieren will und Denkleistung als Medizin gegen Alzheimer schätzt.

Eigentlich ist es also ein reiner Selbstzweck, da ansonsten völlig müßig und unvermeidlich. In 200 Jahren weiß niemand mehr, dass man mal „zu diesem Behufe“ gesagt hat, dafür weiß man aber schon jetzt, was man mit „Deadlines“ machen muss und was man sich unter jemandem, der „emo“ oder „eso“ ist, vorzustellen hat. Ist doch toll: Es kommt immer wieder etwas Neues hinzu. Wenn das nicht so wäre, gäbe es heute kein Spanisch, denn im Süden Europas würde man noch immer Latein sprechen. Und schon immer hat man aus anderen Sprachen geklaut, wenn’s einfach besser passt. Man denke an Algebra, an Rhabarber, an Koloss und im Grunde an fast den ganzen Rest unserer schönen deutschen Sprache. Alles nur geklaut! Nichts von uns! Blamabel? Nein, normal. Sprache befindet sich im Wandel. Wörter verschwinden, neue kommen hinzu, Formen schleifen sich ab oder werden komplexer. Meine Großmutter hätte gesagt: So isses und so war’s, nach dem Rücken kommt der Ars(ch). Naja.

Aber wie gesagt, man muss auch mal erboßt sein dürfen, weil man sonst ein Magengeschwür bekommt, und daher will auch ich mich hier immer mal ordentlich aufregen und neueste Fundstück präsentieren. Das Buffet/ Büfett ist eröffnet!